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 Neues Leben, neues Glück

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AutorNachricht
Jaden Yuki

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BeitragThema: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 10:47 pm

Als Jaden erneut das Bewusstsein erlangte, hielt er die Augen für einige Momente fest geschlossen und hielt mucksmäuschenstill. Die Erinnerungen an die letzten Augenblicke, bevor er zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden, ja vermutlich sogar Minuten, ohnmächtig geworden war, waren verschwommen und unklar. Er erinnerte sich an Jesse, der zuerst vor ihm gestanden hatte, bevor er sich zu ihm hinunter auf den schlammigen Boden kniete; er erinnerte sich an deine traurigen Augen und das schmale, aber doch ehrliche Lächeln, als ob sein Partner ihre neugewonnene Freiheit nicht im selben Maße wie Jaden selbst genießen konnte – und Jaden hatte auch eine Ahnung, warum dem so war. Er erinnerte sich daran, als ihre Hände sich so nahe gewesen waren, dass er die Körperwärme des Anderen hatte spüren können und nicht mehr viel gefehlt hätte, um die Haut des Anderen zu berühren, aber wie sie beide doch vor dem Gedanken zurückgeschreckt waren. Denn auch wenn sie nicht mehr in einer Zelle eingesperrt sein mochten und sich ihre Lage so doch schon um einiges gebessert hatte, wirklich etwas an ihrer Situation geändert hatte sich doch nichts. Die Glasscheibe war noch immer zwischen ihnen, wenn auch nur bildlich, und sie würde vermutlich für alle Zeiten bestehen bleiben. Das war der letzte Gedanke, an den er sich erinnern konnte, bevor seine Welt erneut in Schwärze versunken war. Er musst wohl tatsächlich zusammengebrochen sein.
Mit einem leisen Seufzen öffnete er die Augen einen Spaltbreit, bevor er sie geblendet sofort wieder zusammenkniff. Er wusste nicht, wie lange genau es denn nun tatsächlich her war, dass er tatsächlich natürliches Tageslicht zu Gesicht bekommen hatte. Die Lichtverhältnisse innerhalb der Zelle hatten sich nie wirklich verändert, immer war von irgendwoher dieses diffuse, kalte Licht gekommen, mit dem sie sich hatten arrangieren müssen. Aber egal wie schön es war, nun tatsächlich wieder das Strahlen der Sonne sehen zu können, für seinen immer noch etwas angeschlagenen Sehsinn war es eindeutig zu viel gewesen.
Vorsichtig startete er einige Zeit später einen zweiten Versuch, und diesmal schaffte er es tatsächlich mit ständigem Blinzeln und tränenden Augen, sich ein wenig in dem Zimmer umzusehen, in das sie ihn gebrachen. Es war hell und freundlich gehalten, mit weißen Gardinen und hellblau gestrichenen Wänden, die mit dunklen Holzleisten verkleidet waren. An der Wand ihm gegenüber stand ein Tisch aus hellem Holz mit zwei bequem wirkenden Stühlen direkt unter einem weitläufigen Fenster, durch das die Sonnenstrahlen ungehindert in das Zimmer fallen konnten. Ein wenig schade fand er es doch, dass man Jesse und ihn offenbar nicht im selben Zimmer untergebracht hatte, außer auf der anderen Seite seines Bettes ging der Raum noch weiter und beherbergte ein weiteres Bett. Jaden war versucht, sich auf die andere Seite zu drehen und nach zu sehen, aber er fühlte sich eindeutig zu träge dafür und wenigstens für ein bisschen wollte er noch an der geringen Hoffnung festhalten, dass dem wirklich so sein könnte, auch wenn er es eigentlich nicht wirklich glaubte.
Erst nach einigen Minuten, in denen er einfach nur dalag und den Luxus einer warmen Decke und eines weichen Bettes genoss (schließlich hatten sie in der Zelle einfach auf dem Betonboden schlafen müssen, der nicht besonders bequem war und zumindest Jaden mehr als nur eine schlaflose Nacht gekostet hatte), hörte er das leise Atmen einer zweiten Person in seinem Rücken. Sofort versuchte er, sich umzudrehen, aber offenbar ging er dabei ein wenig zu hektisch vor – leise fluchend rangelte er für einige Momente mit der Decke, die sich wie eine Würgeschlange um seinen Körper geschlungen hatte, bevor das Stück Stoff ihn endlich freigab und er sich erst auf den Rücken und schließlich auf die andere Seite wälzen konnte. Nur, um sich danach mit einem überraschten Schrei wieder zurückzuwerfen und polternd aus dem Bett zu fallen.
Offenbar teilte er sich mit Jesse nicht nur das Zimmer, sondern auch das Bett.
„Verdammt, wollen die uns umbringen?“, fluchte er leise, als er sich ein weiteres Mal von seiner Decke befreite, die mit ihm von der Matratze gepurzelt war, und sich langsam aufrichtete, um über die Bettkante zu spähen. Sein Partner lag dort, friedlich schlafend und nur wenige Millimeter von dem Punkt entfernt, an dem Jaden selbst zuvor noch gelegen hatte. Er konnte sich wirklich nicht vorstellen, dass sie sich beim Schlafen nicht irgendwann ausversehen berührt hatten, aber an sich selbst hatte er keine Veränderungen bemerkt. Sein telekinetischer Sinn surrte noch immer fröhlich in seinem Hinterkopf und überschüttete ihn fröhlich mit einem Überfluss an Informationen, die er wohl nur dank Jesses Anwesenheit halbwegs ignorieren konnte. Aber… was bedeutete das für seinen Partner?
Panik begann sich wie ein schleichendes Gift in seinem Körper breit zu machen. Eigentlich wollte er den Anderen nicht wecken (schließlich erinnerte er sich nur zu gut daran, wie erschöpft Jesse ausgesehen hatte), aber er musste einfach wissen, was mit Jesse war. Vorsichtig stützte er sich mit den Ellbogen auf der Bettkante ab und zog sich langsam über die Matratze näher an die schlafende Gestalt seines Partners heran, bis er praktisch auf dem Boden kniete und mit dem Oberkörper tief über die Matratze gebeugt lag. Für einige Sekunden beobachtete er den entspannten Schlaf des Anderen. Sein Atem ging ganz entspannt und seine Gesichtszüge wirkten so sanft… Jaden war Jesse noch nie so nahe gewesen. Mit jedem vergangenen Augenblick wurde jedoch sein Unwillen, ihn zu wecken, stärker und auch das Verlangen, ihn zu berühren wuchs immer weiter an, weshalb er sich wieder ein wenig zurückzog.
„Jesse… hey, Jesse, wach auf“
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Jesse Anderson

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 10:47 pm

Jesse

Das erste, was Jesse wahrnahm, als er langsam wieder zu Bewusstsein kam, war das Warme auf dem er lag. So ganz konnte er noch nicht verstehen, was genau das war, denn er kannte es einfach nicht. Immerhin hatte er Jahrhunderte lang auf diesem harten und kalten Betonboden gelegen, wo man ganz gewiss nicht gut darauf schlafen konnte, sodass es Nächte hintereinander gegeben hatte, wo Jesse kein einziges Stück geschlafen hatte. So war ihm dieses Gefühl, vollkommen ruhig und entspannt aufzuwachen mehr als nur fremd, denn wie gesagt, er war es einfach nicht gewöhnt, dass sein Körper von etwas Sanften und Weichen umhüllt wurde. Vorsichtig, die Augen noch immer geschlossen regte er sich etwas um zu testen, wie sich das anfühlen würde.
Und wurde mit gemischten Gefühlen überrascht.
Es war nicht negativ, denn er hatte das Gefühl, immer mehr in diesem wunderbaren weichen was auch immer zu versinken. Gleichzeitig spürte er aber, wie fertig er eigentlich sein musste, denn seine gesamten Gliedmaßen taten weh und begrüßten diese nette Abwechslung eines Schlafplatzes mehr als nur mit Wohlgefallen, sodass Jesse am liebsten wieder eingeschlafen wäre und sich weiterhin Träumen hingegeben hätte. Er wusste nicht, wie lange er diese Ruhe haben konnte und wie lange dieses weiche was auch immer. Er tippte einfach darauf, dass es ein neumodische Bett war, denn er wurde von einer wunderbaren Decke zugedeckt und sein Kopf lag auf einem Kissen gebettet; zumindest würde er das so deuten, wie sollte es denn bitte auch anders sein? Nein, ganz gewiss lag er in einem wundersamen Bett, eben genau in so etwas, was Jaden und ihm all die Jahrzehnten über verweigert wurde. War es da zu verübeln, dass er es einfach nur noch so lange genießen wollte, wie er konnte?
Doch anscheinend gab es da Jemanden, der ihn nicht lassen wollte.
„Jesse… hey, Jesse, wach auf“
Jadens Stimme drang langsam an seine Ohren, sodass Jesse ganz langsam die Augen aufschlug. Was war denn los? Das helle Licht blendete ihn, da er direkt Richtung Sonne sah, sodass er die Augen zusammen kniff um sich, immer wieder neu testend, langsam daran zu gewöhnen. Erst dann erblickte er Jaden, der irgendwo so halb über dem Bett gelegt lag und auch irgendwie auf dem Boden kniete. Jesses Lippen umspielte ein müdes aber glückliches Lächeln, auch wenn er die Sorge in Jadens braunen Seelenspiegeln sehr wohl wahr nahm. Er war aber noch zu müde um sofort eins und eins zusammen zu zählen, dass es vielleicht daran lag, dass sie beide sehr wohl in einem Bett geschlafen hatten und sich wohl auch berührt hatten. Nein, dafür war er noch nicht wach genug, sodass er einfach nicht verstand, was Jaden denn bitte hatte?
„Guten Morgen...“, kam es von ihm und ein leichtes Gähnen unterstrich diese Worte noch ein kleines wenig, sodass er sogar ganz leicht lachte. „Was ist denn, Jay?“, murmelte er noch verschlafen, immer noch aber leicht lachend aber, während er sich sich leicht aufrichtete, bevor er sich etwas streckte. Verdammt, er hatte sich noch nie so gut gefühlt wie in diesem Moment gerade. Etwas in seinem Unterbewusstsein nahm wahr, dass die Seite neben ihm sehr wohl von einer weiteren Person belegt worden war und auch, dass diese gewisse Person wohl Jaden gewesen war. Vor allem, weil dieser ja auch noch neben dieser Seite kniete. Ja, diese kleine Tatsache bekam er schon mit, dennoch sah er da die Gefahr noch nicht, denn sein Herz fing einfach nur an zu rasen, weil es realisierte, dass er Jaden das erste Mal wieder näher gekommen war ohne gefangen zu sein oder eine Strafe erwarten zu müssen.
Ja, Jesse war gerade mehr als nur glücklich, warum also zog Jaden so ein Gesicht?
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Jaden Yuki

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:03 pm

„Guten Morgen, Jesse“, antwortete er seinem Partner eher reflexartig. Ob es ein guter Morgen war, das zweifelte er gerade ein wenig an. Trotzdem ließ er dem Anderen die Zeit, die er brauchte, um seine Augen an das für sie unglaublich helle Licht der Sonne zu gewöhnen und langsam ein wenig wacher zu werden. Es gefiel ihm nicht, die beinahe tranceartige Zufriedenheit zerstören zu müssen, die auf Jesses Gesichtszügen zu erkennen war und am liebsten hätte er sich einfach neben Jesse auf das Bett gekuschelt, sich in seine Decke eingewickelt und die Sorge vergessen, dass sie sich während des Schlafens mit großer Wahrscheinlichkeit berührt hatten. So gerne wollte er sich in den kleinen Gesten wie dem zu niedlichen Gähnen oder seinem leisen Lachen verlieren, die er während der tausend Jahre, die sie sich nun schon „kannten“, nie hatte beobachten können, einfach weil es ihre Wohnsituation“ nicht zugelassen hatte. Aber immer mehr wuchs in ihm die Sorge, dass für Jesse die Entdeckung zu spät kam, dass sie in ein und demselben Bett geschlafen hatten. Jaden wusste nicht, was er tun würde, wenn Jesse tatsächlich seine Unsterblichkeit verloren hatte – es würde jedenfalls nichts Gutes für die Personen bedeuten, die sie hier rein gelegt hatten, auch wenn es dieselben Personen waren, die sie aus diesen vermaledeiten Zellen befreit hatten.
Mit besorgtem, prüfendem Blick musterte er seinen Partner, als dieser sich langsam im Bett aufsetzte und genüsslich die Glieder streckte. Irgendwo, ganz tief unter seiner Panik vergraben, wurde eine schwache Stimme laut, dass er dieses Bild gerne für die restliche, ihnen bleibende Ewigkeit jeden Morgen sehen wollte, aber er verbannte den Gedanken unwirsch in die hinterste Ecke seines Verstandes. Dafür war jetzt nicht die Zeit.
„Geht es dir gut? Fühlst du dich irgendwie anders als sonst?“, fragte er vorsichtig, nicht sicher, ob er die Antwort darauf denn wirklich hören wollte. Vermutlich würde Jesse in seinem halbwachen Zustand die Frage nicht ganz so verstehen, wie sie gemeint war, aber Jaden hatte noch nicht den Mut zusammengekratzt, Jesse die momentane Situation erklären zu können und mit etwas Glück würde Jesse seine eigenen Schlüsse ziehen, bevor er die Unglücksbotschaft doch selbst überbringen musste.
Bevor Jesse jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte, erschien die Anwesenheit einer weiteren Person auf seinem telekinetischen ‚Radar‘, das er seit seinem Aufwachen so weit wie nur eben möglich eingeholt hatte, derjenige musste also praktisch schon vor ihrer Tür stehen. Mit etwas unkoordinierten Bewegungen beeilte Jaden sich, sich hinzustellen und warf einen misstrauischen Blick in Richtung Tür, als es klopfte. Die Person wartete jedoch gar nicht erst darauf, hineingebeten zu werden, sondern öffnete direkt im Anschluss die Tür und betrat den Raum. Ihr Besucher stellte sich als der kleine, blauhaarige Junge heraus.
»Oh, hey, Zane hatte ja tatsächlich recht und ihr seid endlich wach! Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, ihr habt über drei Tage durchgeschlafen, aber die Anderen meinten, ihr wärt einfach nur erschöpft.« Jaden starrte den Jungen für einen Moment mit undefinierbarem Blick an, bevor er sich auf dem Bett niederließ und möglichst nahe an Jesse heran rutschte wie es ihm eben möglich war, ohne dabei die Gefahr zu laufen, dabei mit seinem Partner in Berührung zu kommen. Er brauchte die Anwesenheit des Anderen jetzt einfach, denn sie war das Einzige was ihn davon abhielt, den Kleinen am Kragen zu packen und so lange panisch zu schütteln, bis er ihm eine Antwort auf die Frage gab, wessen schlaue Idee die momentane Bettbelegung war. Wenn sie hier nicht genug Betten für alle hatten, hätten sie Jaden schließlich auch einfach mit einer Decke auf den Boden legen können, es war ja nicht so, als ob er es nicht gewohnt gewesen wäre. Es hätte jedenfalls sehr viel für seine Nerven getan.
»Mein Name ist übrigens Syrus. Die anderen sitzen noch unten beim Frühstück, aber ich wollte lieber gleich nach euch sehen kommen, wenn ihr euch dafür stark genug fühlt, könnt ihr gerne mit runter kommen und euch dazu setzen, andernfalls bringe ich euch was zu Essen rauf, das ist auch kein –«
„Wer von euch Idioten hat uns ins selbe Bett gelegt?“, unterbrach Jaden den Jungen. Ihm war durchaus bewusst, dass der Andere ihn nicht verstehen würde, aber die Worte hatten einfach aus ihm herausgemusst, bevor sie ihm die Zunge wegätzten, so jedenfalls hatten sie sich in seinem Mund angefühlt. „Wollt ihr uns umbringen, oder was?“

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Jesse Anderson

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:05 pm

Jesse

Jesse konnte nicht verstehen, was sein Partner denn bitte hatte, als dieser ihm Fragen nach seinem Wohlbefinden stellte und sogar sich erkundigte, ob er sich irgendwie anders fühlte? Das Glückgefühl wurde schwächer, denn so langsam machte Jesse sich echt Gedanken, ob mit Jaden irgendetwas los sei. Hatte er etwas verpasst? Noch immer war er zu müde, als dass sein Kopf richtig arbeiten könnte. Zudem war er zu sehr benebelt von diesem wundervollen Gefühl, welches ihn immer noch leicht umgab. Es fühlte sich so an, als würde er schweben; als wäre alles um ihn herum leicht und einfach, es gab nichts mehr, wovor er Angst haben brauchte. Jaden war bei ihm und sie beide waren frei, das war doch alles kein Grund so besorgt drein zu schauen, zumindest, wenn man Jesse nach seiner Meinung fragte.
„Mir ging es nie besser, Jay, ehrlich. Was ist denn los? Ist bei dir alles okay?“ In seiner Stimme klang langsam immer mehr die ehrliche Sorge durch, die sich in seinem Inneren bemerkbar machte. Was war denn mit Jaden los? Hatte er etwa das Gefühl, dass er sich verändert hatte? Er selber oder der Ältere? Bevor Jesse aber weiter darüber phylosophieren konnte, klopfte Jemand an die Tür und keine paar Sekunden später wurde ein Kopf durch die Tür gesteckt, der von kurzen abstehenden blauen Haaren verziert wurde. Begleitet wurde dieser Kopf von einem irgendwo noch jung wirkenden Körper. Jesse erinnerte sich dunkel, diesen jungen Mann schon einmal gesehen zu haben, als Chazz ihn hier her brachte, oder eher, als Jaden und seine Gefolgsleute eingetroffen waren. Ganz sicher war er sich allerdings nicht, da seine ganze Aufmerksamkeit ja auf Jaden gelegen hatte und nicht auf den Menschen um sie beide herum. Sein Partner hatte sich in der Zeit wieder etwas aufgerichtet und sich, so dicht wie möglich, neben ihn gesetzt, während der blauhaarige kleine Mann angefangen hatte zu reden. Syrus, so hieß er also. Diese Information verarbeitete Jesses müder Kopf schnell. Für die Information, dass sie beide drei Tage gut geschlafen hatten – und somit auch gute zwei Nächte – brauchte er dafür umso länger. Etwas in ihm verstand, was das zu bedeuten hatte, etwas in seinem Unterbewusstsein, was schon die ganze Zeit ganz genau dabei war Jadens Sorge zu analysieren.
Der entscheidene Schlüssel waren dann Jadens Worte.
Als dieser den armen Syrus anfauchte, legte sich in Jesses Kopf ein Schalter um. Sie beide hatten zusammen in diesem Bett geschlafen und sich gewiss...berührt! Sofort schnellte sein Blick zur Seite, versuchte er Jaden mit einem schnellen Blick zu scannen, ob mit ihm alles in Ordnung war. Jetzt ergab die Panik Sinn, die sein Partner ausgestrahlt hatte. Wie hatte er nur so doof sein können und es übersehen? Syrus stolperte ein paar Schritte zurück. »Ich...ich weiß nicht...ich.. ZANE!«
»Wir sind schon hier, Sy...“ Hinter Syrus tauchte ein Mann mit langen dunklen Haaren auf, der entfernt eine gewisse Ähnlichkeit mit Syrus hatte. Ihm folgten der Braunhaarige, der Jaden getragen hatte und Chazz. In Jesse keimte langsam dieselbe Wut auf, die schon in Jaden zu brodeln schien und welche sich langsam auf ihn übertrug. Diese Kerle waren gewiss dafür verantwortlich, dass wahrscheinlich mindestens einer von ihnen beiden seine Untersterblickheit verloren hatte. Der Typ, welcher Syrus so ähnlich sah – also wie gesagt, im entfernten Sinne -, schien es zu merken. »Beruhigt euch beide, es ist nichts passiert...«
„Nichts passiert?!“ Nun wurde auch Jesses Stimme laut. „Meine Untersteblichkeit ist mir ja relativ egal, aber wenn Jaden wegen euch stirbt, dann...dann...“ Er fand keine Worte, die seine Wut ausdrückten. Hellwach und unter Strom stehend stand Jesse auf. Es fiel ihm nicht auf, dass er nicht mehr die Kleidung trug, die ihm die Organisation gegeben hatte, sondern eine längere weiche Hose und ein passendes Oberteil dazu – ein guter Schlafanzug eben. Zane seufzte nur leicht, verstand er die beiden nicht. »So kommen wir nicht weiter, Zane..«., erhob Syrus das Wort, »wir verstehen sie kein bisschen. Wie sollen wir herausfinden, was sie so aufregt?«
Wir könnten ja versuchen in eurer Sprache zu reden..., aber gerade war er einfach nur viel zu wütend, als dass er es versuchen wollen würde. So ging er nur auf Chazz zu, den einzigen, den er gerade so kannte, etwas länger als Syrus, Zane und den Braunhaarigen. Er deutete hinter sich auf Jaden, dann auf sich, berührte Chazz am Arm und machte eine Handbewegung mit seiner freien Hand, als würde er seine Kehle durchschneiden. Würden sie das verstehen?

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Jaden Yuki

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:07 pm

Ein unsicheres Lächeln umspielte seine Lippen, als er Jesses Antwort in sich aufnahm. Das klang ja gar nicht so schlecht, oder nicht? Es freute ihn auf jeden Fall, dass es seinem Partner gut ging und er die Strapazen ihrer Flucht soweit gut überstanden zu haben schien. Das nie besser schob er jetzt einfach einmal auf die Tatsache, dass sie beide noch nie auf einem solch angenehm weichen Bett geschlafen hatten und Jesses Schlaf dadurch einfach um so vieles erholsamer gewesen war als all die Jahrhunderte zuvor. Oder machte er es sich da zu einfach? War vielleicht dieses gute Gefühl ein Zeichen dafür, dass der Andere seine Unsterblichkeit bereits verloren hatte? Als ob die unbegrenzten, kommenden Jahre wie eine Last von seinen Schultern genommen worden waren? Aber nein, so konnte Jaden nicht denken. Jesse durfte einfach nicht sterben, nur weil sie gemeinsam in einem Bett gelegen hatten, er durfte einfach nicht. Jaden hatte wirklich nicht die leiseste Ahnung, was er tun würde, wenn sich diese leise Furcht im hintersten Winkel seines Herzens bewahrheiten würde, aber er war sich sicher, es würde nicht schön werden oder gut enden. Ihm war seit gestern bewusst, dass Jesse die weitaus gefährlichere und mächtigere Gabe von ihnen beiden hatte, aber er hatte in der Vergangenheit vor ihrer Gefangenschaft auch erlebt, welches Chaos Telekinese anrichten konnte, wenn sie ungezügelt eingesetzt wurde – so oder so würde er nicht für die Sicherheit oder überhaupt das Überleben ihrer Retter garantieren können, auch wenn sich das Ganze nur als ein dummes Missverständnis herausstellen sollte und sie tatsächlich einfach nichts davon gewusst hatten, was die Berührung des Partners mit ihnen anstellen würde.
Bevor er Jesse jedoch eine Antwort auf die Frage, was nicht in Ordnung war, geben konnte, betrat Syrus das Zimmer. Jaden wusste, dass es vermutlich nicht besonders fair war, so auf den Kleinen loszugehen. Immerhin konnte der Andere ihn weder verstehen, noch sich verteidigen. Aber um ehrlich zu sein, interessierte ihn diese Tatsache herzlich wenig, immerhin ging es ihm und Jesse in diesem Moment nicht wirklich anders. Auch sie konnten ihre momentane Situation nicht wirklich verstehen (auch, wenn Jaden den Schalter praktisch sehen konnte, der sich in Jesses Kopf umlegte, als langsam das Licht der Erkenntnis in seinen Augen aufflackerte – verstehen, warum und wieso, das blieb ihnen mehr als nur verwehrt) und verteidigen – verteidigen hatten sie sich erst recht nicht können. Wie denn auch? Sie beide waren ohnmächtig gewesen, als man sie in dieses Zimmer gebracht hatte und hatten nicht einmal versuchen können, die Unsterblichkeit des jeweils anderes zu beschützen. Syrus schien jedoch offensichtlich mit der Situation überfordert und rief deshalb nach Zane, der (wenn Jaden sich richtig erinnerte) der junge Mann gewesen war, der das seltsame Gefährt gelenkt hatte. Scheinbar war er wohl so etwas wie ihr Anführer, oder in Syrus Augen einfach besser dazu in der Lage, mit der Situation klar zu kommen (auch wenn Jaden das ehrlich anzweifelte). Zane betrat das Zimmer gefolgt von Atticus und dem schwarzhaarigen Jungen, der Jesse aus seiner Zelle geholt hatte, und Jaden konnte nicht anders, als ihnen allen einen misstrauischen Blick zuzuwerfen. Hatte er vor seinem Zusammenbruch noch bereitwillig angenommen, dass ihre Befreier ihnen wohl tatsächlich hatten helfen wollen, war er sich dessen mittlerweile mehr als nur unsicher. Das leichte Misstrauen von zuvor war noch nicht in vollkommene Feindseligkeit umgeschlagen, aber Jaden wusste nicht, wie viel dazu noch fehlen würde – auch, wenn es ein ehrlicher Fehler auf der Seite dieser Menschen war und sie ihnen nichts Böses wollten, der eventuelle Verlust war einfach zu groß, um einen solchen Fauxpas einfach so zu verzeihen. Sein Partner, der beinahe unter Strom zu stehen schien, sah es wohl zumindest ähnlich – er sah jedenfalls nicht so aus, als wolle er in nächster Zeit beruhigen. Und obwohl Jaden den Drang, aufzustehen und aus ihrer sitzenden, verletzlichen Position herauszukommen, mehr als nur nachvollziehen konnte, schaffte er es nicht, den beinahe instinkthaften Griff nach der Schulter seines Partners ganz zu verhindern. Für einige Sekunden schwebte seine ausgestreckte Hand unschlüssig in der Luft, bevor er sich wieder so weit unter Kontrolle hatte, dass die Hand kraftlos neben ihm aufs Bett fiel und sich seine Finger haltsuchend in das weiße Laken krallte.
„Jesse…“, murmelte er leise. „Sag so etwas doch bitte nicht… was will ich mit einer Unsterblichkeit ohne dich?“ Es war ein Gedanke, über den er in seiner Zelle oft nachgedacht hatte. Denn natürlich war das Wohlergehen seines Partners über die Jahre hinweg schnell wichtiger geworden als sein eigenes, aber vor allem hatte er sich ausgemalt, was wohl passieren würde, wenn man ihm Jesse eines Tages ganz nahm. Die Antwort darauf war schneller gefunden, als ihm eigentlich lieb war – eine Ewigkeit ohne den Anderen wäre schlimmer noch als die Gefangenschaft in der Zelle. Früher oder später würden sich die Grenzen dieser Unsterblichkeit schon zeigen, sollte er tatsächlich irgendwann in die Lage kommen, sie austesten zu müssen.
Seufzend zog er die angewinkelten Beine so dicht es ging an seinen Körper und legte seinen freien Arm darum, um sich daran zu hindern, ebenfalls aufzustehen und sich dicht neben Jesse zu stellen. Mit halbgeschlossenen Augen beobachtete er seinen Partner dabei, wie er der Gruppe verwirrter Menschen durch Zeichen mitzuteilen versuchte, was sie beide so in Aufruhr gebracht hatte, jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Der Schwarzhaarige, den er am Arm berührt hatte (und Gott musste Jaden sich dazu zwingen, seine Eifersucht allein wegen dieser kleinen Berührung in Zaum zu halten), schien jedenfalls nicht wirklich zu verstehen, was gemeint war.
»Ihr… glaubt, wir wollen euch umbringen?«, riet er, sah dabei aber selbst ziemlich skeptisch aus. »Nein, dafür seid ihr zu ruhig… aber was könntest du sonst meinen?« Auch die anderen sahen ziemlich ratlos aus, weshalb Jaden sich mit einem weiteren Seufzen aus seiner zusammengekauerten Haltung löste und sich vom Bett erhob, um dicht an Jesses Seite zu treten. Erneut streckte er die Hand nach seinem Partner aus, ließ die Finger jedoch in halbwegs sicherem Abstand über Jesses Schulter in der Luft schweben und blickte Zane dabei fest in die Augen, bevor er die Finger ein weiteres Stück auf Jesse zu bewegte, um sich dann ebenfalls mit ihnen in einer schnellen, ruckartigen Bewegung über die Kehle zu fahren. Seltsamerweise war es Syrus, der als Erster zu verstehen schien.
»Moment… heißt dass, ihr sterbt, wenn ihr euch berührt?« Das stimmte zwar immer noch nicht ganz, aber es war immerhin auf dem richtigen Weg. Jaden bewegte den Kopf hin und her, bevor er zögerlich nickte.
»Können dadurch… erst sterben«, versuchte er die ungewohnten Laute aus seiner Kehle zu quetschen, unterbrach sich jedoch schnell selbst durch einen Hustenreiz. Missmutig zog er die Nase kraus – wenn es sich vermeiden ließ, würde er so schnell auf jeden Fall keinen weiteren Versuch starten, diese Sprache zu sprechen.

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Jesse Anderson

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:07 pm

Jesse

Jesse hatte Jadens letzte Worte noch gehört, jedoch nicht mehr darauf geantwortet. Auch hatte er wahr genommen, wie sein Partner kurz zuvor die Hand erhoben hatte, als wolle er diese auf die Schulter des Türkishaarigen legen und ihn davon abhalten, aus dem wohl gemeinsamen ernannten Bett aufzustehen und zu den anderen anwesenden Personen hier im Raum zu gehen. Und fast wäre Jesse der Versuchung erlegen gewesen, sich alleine nur den Versuch der Geste daran selber zu hindern, sich auf ihre Mitmenschen – oder eben nur die Menschen, dass sie beide selber anders waren stand völlig außer Frage – zuzubewegen. Aber die Wut die in seinem Inneren entfacht war, war in diesem kleinen Moment größer, als der Wunsch neben Jaden liegen zu bleiben und sich gar berühren zu lassen. Denn genau darum ging es ja doch! Sie durften sich verdammt noch einmal nicht berühren, egal, wie sehr sie das denn wollen würden! Konnten die das denn nicht verstehen?! Sollten sie eineinander im Schlaf wirklich so sehr nahe gekommen sein – und wenn es nur die Berührung ihrer Hände war, diese Geste konnte im Grunde ja schon reichen um wirklich alles zu zerstören, was sie bisher, mehr oder minder, bewahrt hatten zu beschützen – und damit ihre beider Unsterblickeit verloren hatten, würden die vier, die gerade hier neben Jaden und ihm im Raum standen, teuer dafür bezahlen müssen. Dabei war es Jesse im Grunde egal, dass er wohlmöglich sterben würde, aber was, wenn es Jaden erwischt hatte? Was, wenn sein Partner nun normal alterte oder in den nächsten Tagen an seiner Seite verstarb, ohne, dass Jesse etwas dagegen würde tun können? Was dann?
Während er langsam auf die kleine Gruppe zuging, fegte ein Windstoß durch das Zimmer und schmiss dabei einen kleinen Gegenstand um, der wohl auf einer Erhöhung gestanden hatte. Jesse selber nahm es kaum wahr – weder, dass er dafür zuständig war, noch was genau er denn da bitte hatte zu Bruch gehen lassen. Auch hatte er nicht bemerkt, dass eines der Fenster in diesem Raum offen gestanden hatte, wohl, um Jaden und ihm frische Luft genügend zur Verfügung zu stellen, wenn man ja auch bedachte, dass sie beide ja – laut Syrus Aussagen – seit drei Tagen geschlafen hatten. Da wäre es nicht allzu praktisch gewesen, wenn das Fenster zu gewesen wäre und die Luft damit durch die Anwesenheit zweier Körper die Wärme ausstrahlten, nicht gerade ertragbar gewesen wäre. Nein, was das anging war es schon besser, dass das Fenster offen gestanden hatten. Leider war es aber auch das Ende für den kleinen Gegenstand gewesen, der, so viel hatte Jesse mitbekommen, in vereinzelte Teile zersprungen war. Aber immer noch nicht wusste er, was genau seiner Wut denn da nun zum Opfer gefallen war. Es klang so, als würde es aus Glas bestehen; oder eher, als hätte es aus Glas bestanden, wenn es denn noch ganz wäre. Im Grunde war das Material immer noch Glas, nur eben nicht mehr so zusammen gesetzt, wie es denn eigentlich sein sollte. Aber wie gesagt, es war Jesse mehr als nur egal.
Für ihn gab es jetzt wichtigere Dinge zu klären.
Mit seiner Geste hatte er versuchen wollen den Anderen zu erklären, was Jaden und ihn denn so wütend machte und im Grunde hatte er geglaubt, es wäre leicht zu verstehen gewesen. Jedoch hatte er schnell lernen müssen, dass dem nicht so sei, denn Chazz hatte ihn nur verwirrt angesehen und etwas geraten, was mal so rein gar nichts mit dem zu tun hatte, was Jesse ausdrücken wollte. Zwar mit dem, was sie beide über die Gruppe Befreier gedacht hatte, aber das eine hatte ja nicht direkt mit dem anderen etwas zu tun, sodass er nur heftig den Kopf schüttelte um seinen persönlichen Befreier klar zu machen, dass er sich mehr mehr als minder auf dem Holzweg befand und in die falsche Richtung ermittelte. Ehe er aber noch etwas tun konnte, nahm er die Anwesenheit seines Partners war. Jaden hatte sich erhoben und war neben ihm getreten. Er konnte die Wärme der Hand spüren, die Jaden über seine Schulter hielt, ihm immer näher kam, ehe er dann diesselbe Geste vollführte, wie er selber es eben getan hatte. Dabei hatte der Braunhaarige diesem Zane tief in die Augen gesehen – Zanes Augen waren doch etwa nicht faszinierend, oder?! -, als würde er in diesen große Hoffnung setzen.
Doch Syrus war es, der die Lösung fand.
Na ja, so fast.
Jaden versuchte, es zu erklären, doch versagte seine Stimme. Jesse konnte es ihm nicht übel nehmen. Sie verstanden die Sprache, doch es war schwer, sie zu sprechen. Dennoch versuchte auch er sein Bestes. »Wir...verlieren...unsere Unsterb-Unsterblichkeit...wenn wir...uns berühren...“ Zumindest war es das, was ihnen erzählt wurde. Auch er musste einmal husten, war aber froh, es soweit erklärt haben zu können. Sryus weitete seine Augen, während Chazz nur etwas den Kopf schräg legte und misstrauisch die Augen zusammen kniff, ehe er zu diesem Zane sah. »Glaubst du, die Organisation hat ihnen das erzählt...«
»Ich gehe mal davon aus, ja...«
»Denkst du, es stimmt?«
»Das würde doch dem widersprechen, was du in den Akten gefunden hattest...«
Neugier flammte in Jesse auf und drängte die Wut beiseite, die in seinem Inneren tobte. Was für Informationen meinte Zane? Was hatte Chazz gefunden, was dem widersprechen würde, was die Organisation ihnen seit Jahrtausenden erzählt hatte. Chazz schüttelte langsam den Kopf. »Schon, aber was, wenn das Lügen sind und die beide die Wahrheit sagen? Woher sollen wir wissen, was stimmt?«
»Erzählen wir es ihnen doch und lassen die beiden entscheiden, was sie für richtig halten zu glauben...« Ein fremer Mann war zu der kleinen Gruppe dazu gestoßen. Er trug einen Cowboyhut und einen Verband, der sein linkes Auge verdeckte. »Alexis und Hassleberry warten noch am Tisch. Bringt die beiden mit, damit sie was frühstücken können und dann erklärt einer von euch es ihnen, was haltet ihr davon?« So ganz wusste Jesse noch nicht, was er von diesem Vorschlag des Unbekannten halten sollte, doch klang es nach einem relativ verlockenden Angebot. „Was meinst du dazu, Jay?“ Aus den Augenwinkeln sah er zu seinem Partner, denn ohne seine Einwilligung oder Meinung, würde er selber gewiss nichts entscheiden. Vor allem, wenn es etwas war, was sie beide betraf.
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Jaden Yuki

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:12 pm

Jaden bemerkte natürlich, wie durch die Wut seines Partners ein Windstoß in den Raum gefegt kam und eine kleine Vase umwarf, die auf der Fensterbank gestanden hatte. Ob die Menschen das Ganze als Auswirkung von Jesses Gabe erkannte, war jedoch fraglich, schließlich hätte es durchaus (wenn auch eher unwahrscheinlich) ein natürliches Phänomen sein können. Jaden konnte jedoch die Kraft spüren, die dabei von Jesse ausging, jetzt, wo er ihm so nahe war. Gestern waren sie wohl einfach zu weit voneinander entfernt gewesen oder sein telekinetischer Sinn zu überlastet um das energiegeladene Kribbeln zu spüren, dass von Jesse ausging und Jaden einen Schauer nach dem anderen über den Rücken schickte. Es war seltsam, eine solche Macht zu spüren, ja sie beinahe sehen zu können – die Erinnerungen an die Zeit vor der Zelle waren zu verblasst, um mit Sicherheit sagen zu können, ob es normal war oder einfach dem Umstand geschuldet war, dass sie Partner waren (oder Jesse war einfach wirklich nur so verdammt mächtig, dass es unmöglich war, es nicht auf irgendeine Art und Weise wahrzunehmen), aber Jesse strahlte praktisch von innen heraus und irgendetwas gab Jaden die Ahnung von ungeheurer Hitze, die von dem Anderen ausging. Es machte Jesse auf eine gewisse Weise… anziehend, Jaden konnte kein anderes Wort dafür finden, und ein primitiver Teil in ihm zitterte vor euphorischer Erregung bei so viel Kraft.
Es war jedenfalls um einiges schwerer, als es hätte sein sollen, sich wieder auf das Geschehen zu konzentrieren, dass sich vor seinen Augen abspielte. Und sich vollends davon abhalten, dass sein Blick immer und immer wieder zu Jesse schweifte… nun, das hatte er ja auch in ihren Zellen nicht geschafft, obwohl er es eigentlich besser gewusst hatte. Erst, als sein Partner seinem Beispiel folgte und sich ebenfalls an dieser seltsamen, seltsamen Sprache der Menschen vor ihnen versuchte, schaffte er es, wieder komplett ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Gerade rechtzeitig, um sich von der unbewussten Geste, seinem Partner beruhigend über den Nacken zu streicheln, als auch der Andere husten musste, abzuhalten. Er nickte jedoch bestätigend auf das Gesagte und beobachtete mit wachsamen Augen die Reaktionen der Menschen. Die nicht so waren, wie er es vermutet hatte.
Eigentlich hatte er nach Anzeichen Ausschau gehalten, die ihm verrieten, ob sie davon gewusst hatten und vielleicht tatsächlich ein verborgenes, weiterführendes Ziel verfolgten, indem sie einen von ihnen schwächten. Was er stattdessen vorfand, verblüffte ihn – mehr als das, es warf ihn ein weiteres Mal vollkommen aus der Bahn. Wenn er ihre Worte und Geste richtig verstand, gab es da etwas, dass ihm und Jesse verborgen blieb. Etwas, dass die letzten Jahrhunderte in ein Licht rückten, dass Jaden ganz und gar nicht gefiel.
Er warf einen schnellen Blick zu seinem Partner, der der Unterhaltung natürlich ebenfalls aufmerksam verfolgt hatte (aus der er sich ein kleinwenig ausgeschlossen vorkam, obwohl sie doch über ihr Schicksal zu entscheiden schien), bevor er ihn jedoch fragen konnte, was er von der ganzen Sache hielt, tauchte im Türrahmen ein weiterer schwarzhaariger Junge auf, den Jaden zuvor noch nicht gesehen hatte. Vermutlich hatte er im Haus auf das Team gewartet, dass ihn und Jesse befreit hatte. Jaden wusste nicht so genau, was er vom Vorschlag des jungen Mannes halten sollte – einerseits klang etwas zu Essen mehr als nur verlockend, andererseits waren seine Nerven noch immer zum Zerreißen angespannt und er wollte einfach nur jetztsofortgleich wissen, wovon sie da geredet hatten. Welche Informationen hatten sie in diesen Akten gefunden und was würde es für seinen Partner und ihn bedeuten?
Bevor er diese Zwiespältigkeit Jesse gegenüber auf seine Nachfrage hin erwähnen konnte, fällte sein Körper die Entscheidung lautstark für ihn.
Sein Magen knurrte, laut und anhaltend und beinahe schmerzhaft.
Ein kleinwenig verlegen hob er den Blick, die Arme noch immer um seine eigene Körpermitte geschlungen, als könne diese Geste eine weitere Rebellion seines Magens verhindern. „Ich finde, Frühstück hört sich ganz großartig an“, murmelte er und lächelte Jesse an. Und auch wenn die anderen Anwesenden ihre Sprache nicht sprechen mochten, die Botschaft war ganz offensichtlich angekommen – Atticus lachte auf, Syrus kicherte und der Neuankömmling griff sich mit einem freundlichen Lächeln und einladenden Blick an die Krempe seines seltsamen Huts.
»Na, ich würde sagen, das war eine positive Antwort. Kommt, sonst werden die Pfannkuchen noch kalt und auch wenn man sie dann theoretisch auch noch essen kann, frisch und warm schmecken sie einfach besser!« verkündete Letzterer im Brustton der Überzeugung und führte die kleine Gruppe aus dem Zimmer, eine schmale Treppe hinunter. Jaden, der durch seine vorherige Position im Raum das Schlusslicht bildete, folgte eifrig und streckte schnuppernd die Nase in die Luft. Schon im Gang schlug ihnen der Duft von Essen entgegen, das ganz vorzüglich roch und seinem Magen ein weiteres Knurren entlockte. Es war ein seltsames Gefühl, Hunger zu haben und tatsächlich etwas dagegen tun zu können – zuvor waren sie auf die Organisation angewiesen gewesen und die hatten sich ganz sicher nicht danach gerichtet, wann, ob und was ihre Gefangenen wollten. Das leere, nagende Gefühl in der Magengegend war irgendwann einfach nur noch ein Teil des Alltags gewesen und war auch dann nicht verschwunden, wenn sie wieder einmal über einen längeren Zeitraum regelmäßig Nahrung bekommen hatten. Jaden war sich nicht einmal sicher gewesen, ob er Hunger überhaupt noch fühlen konnte. Der Essensgeruch zeigte ihm jedoch mehr als deutlich: Ja, konnte er. Verdammt, hatte er einen Hunger, er konnte nur hoffen, dass diese Leute genug gemacht hatten und ihm nicht schlecht werden würde von dem ungewohnten Essen.
Als sie den Raum betraten, der das Esszimmer sein musste, standen die beiden Personen von ihren Plätzen am kreisrunden Tisch auf. Jaden erkannte das Mädchen von seiner Flucht und einen braungebrannten Jungen mit schwarzen Rasterlocken, die lustig unter einem gelben Kopftuch hervorstanden. Sein Blick jedoch war gefesselt von den praktisch überlaufenden Tellern, die die ganze Tischplatte bedeckten. Er hatte keine Ahnung, was selbst die Hälfte der Speisen waren, aber trotzdem lief ihm das Wasser im Mund zusammen und er musste sich zur Sicherheit mit dem Handrücken über die Lippen fahren um zu prüfen, dass er nicht wirklich angefangen hatte zu sabbern.
„Okay, ich glaube, ich bin doch schon tot. Das muss das Paradies sein. Wir sind raus aus diesen Zellen und es gibt Essen bis zum Abwinken…“, rutschte es ihm heraus, wofür einen seltsamen Blick von Chazz kassierte, der vor ihm stand. Der Schwarzhaarige schüttelte jedoch nur mit einem leisen Seufzen den Kopf, packte Jesse an der Schulter und dirigierte Jadens Partner auf einen der Stühle, die um den Tisch herum drapierten waren, während Atticus mit Jaden dasselbe tat, nur mit einem Platz auf der gegenüberliegenden Seite des Tischs.
»Bedient euch. Hoffentlich schmeckt es.« lachte der Braunhaarige, dem Jadens heißhungrige Blicke offenbar nicht entgangen waren. So schnell konnte man gar nicht gucken, da war Jadens Hand hervorgeschnellt und hatte etwas von dem Teller genommen, der ihm am nächsten Stand. Es schien eine Art Wurst zu sein, die Jaden jedoch noch nie zuvor gesehen hatte. Probehalber biss er hinein und stöhnte auf, als der intensive Geschmack seine Geschmacksknospen in Aufruhr versetzte. Genießerisch schloss er die Augen und nahm einen weiteren Bissen.
„Im Paradies, sage ich. Wenn du auch etwas willst, solltest du dich beeilen, Jesse. Wenn das alles so gut schmeckt, sehe ich sonst das Problem, dass ich es auch alles alleine essen könnte.“

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Jesse Anderson

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:13 pm

Jesse

Jadens Antwort folgte promt, wenn auch eher non verbald. Anstelle, dass Worte den Mund seines Partners verließen, konnte man das Knurren hören, welches Jadens Magen von sich gab. Sein Partner hatte auch die Arme um seine Mitte gelegt, ehe er ihn verlegen ansah. Und dann folgten endlich die Worte, die eine weitere Antwort auf Jesses Frage darstellten. Dieser lächelte seinen Partner nur sanft an, konnte sich auch nur mit Mühe daran hindern, den Anderen in den Arm zu nehmen und seine Stirn zu küssen. Einfach ihn bei sich halten und seinen Duft auf sich wirken lassen. Jaden wirkte gerade einfach nur...zerbrechlich. Wenn man es denn so nennen wollte, sodass Jesse einfach nur das Gefühl hatte, ihn nahe bei sich wissen zu wollen. Es war einfach nur ätzend, dass sie beiden sich bis auf einen Abstand von nur ein paar Millimetern nicht nähern konnten. Oder war es wirklich so verboten...? Die Reaktion, der Menschen, hatten ihn etwas irritiert uzwei Tnd verwirrt, sodass er nicht sicher war, was nun alles auf sie zukommen würde. Für einen kurzen Moment verschwanden aber die Gedanken daran, denn Jadens Lächeln beim Essen, hellte seine Laune auf – mehr als gut sogar. Es wirkte mehr als nur beruhigend und sorgte dafür, dass Jesse immer mehr entspannte und auch ihm ein leises Lachen entwich; ebenso wie den Menschen, die auch das alles mehr als nur lustig zu finden schienen. Der ihnen noch fremde Mann gab einen erfreulichen Kommentar von sich, auch wenn Jesse nicht ganz wusste, was dieser meinte. Pfannkuchen? Was waren das denn jetzt bitte. Die Antwort werde ich ja gleich bekommen..., denn die kleine Truppe machte sich auf den Weg um in das zu gelangen, was der Unbekannte wohl 'Küche' genannt hatte.
Jesse ging in der Mitte der Truppe, sodass er sich ab und an etwas zu Jaden umdrehte um ihn zu beobachten. Dieser erschnupperte den Geruch, der den Gang erfüllte, oder eher Flur, den die kleine Gruppe entlang ging. Auch der Türkishaarige nahm diesen Geruch war, doch knurrte sein Magen nicht so im Gegensatz zu dem Magen seines Partners. Eher wurde ihm bei diesen Gerüchen schlecht. Diesen Zustand schob er darauf, dass er die letzten zwei Tage rein gar keine Nahrung zu sich genommen hatte. Er hatte ja gegen die Organisation rebelliert und dieses seltsame Essen, was er in den letzten tausend Jahren als einzige Nahrung und Lebensmittel abgetan hatte, einfach nicht angerührt. Sein Magen hatte sich irgendwo schon etwas daran gewöhnt leer zu sein, sodass ihn die fremden Gerüche mehr überforderten als den Hunger anzuregen. Seine Schritte wurden langsamer, als sie den Raum betraten, wo ihnen ein prall gefüllter Tisch mit reichlichen Lebensmitteln, die Jesse nicht kannte, entgegen lächelte. Jaden schien sofort von dem ganzen hind und weg zu sein, zumindest klangen seine Worte so, die er von sich gab. Und auch der Blick, mit dem sein Partner die ganzen Gerichte fixierte, sprach für sich. Jesse konnte darüber nur sanft lächeln, während seine eine Hand sich unbewusst auf seinen Bauch legte. Ein unbekanntes Gefühl von Übelkeit – er wusste nicht, dass man es so nannte – überkam ihn, umso mehr er das Essen betrachtete. „Das Paradies, ja?“, murmelte er leise, nicht ganz so überzeugt wie Jaden.
Dennoch ließ man ihm keine Wahl, das Essen abzuschlagen.
Chazz packte ihn am Arm, zog ihn etwas mit und drückte ihn auf einen der Stühle, den ein blondhaariges Mädchen und Hassleberry, den er ja schon kennen gelernt hatte, frei gemacht hatten. Auch Jaden wurde von Jemanden auf einen Stuhl ihm gegenüber gedrückt. Hassleberry gab etwas von sich, was sein Partner sich nicht zweimal sagen ließe. Jesse selber war mehr als nur fasziniert von Jadens Anblick, wie dieser genüsslich aufstöhnte und es zu genießen schien, etwas in den Magen zu bekommen. „Iss ruhig, Jay...“, gab er mit sanfter Stimme von sich, während seine Hand immer noch auf seinem Bauch ruhte. Immer noch war ihm nicht ganz danach, etwas zu essen. Etwas, was auch den Menschen nicht zu entgehen schien, denn keine paar Sekunden später spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Erschrocken zuckte er etwas zusammen, da er mit dieser Berührung nicht gerechnet hatte. Und Berürungen, die er bisher groß nur kannte, waren mit Schmerzen verbunden. Diese Berührung allerdings hatte eine halbwegs beruhigende Wirkung. Dennoch schaute Jesse unsicher über seine Schulter und schaute in das eine freigelegte Auge des Mannes, der den Cowboyhut und den Verband über seinem einen Auge trug. »Du solltest auch etwas essen...«
»Ich...hab...keinen...Hunger...« Sein Magen rebellierte in diesem Fall wieder, sodass Jesse etwas das Gesicht verzog. Der Unbekannte musterte ihn kurz, ehe er sich etwas enternte, ein komisches Gefäß aus dem Schrank nahm und dort eine orangene Flüssigkeit einfüllte, ehe er wieder kam und es dem Türkishaaigen hinstellte. »Dann trink etwas, ja? Das hier ist Orangensaft, schmeckt echt lecker – Ich bin übrigens Jim.«
»Danke.« Jesse hustete leicht und griff eher aus Reflex nach dem Behälter, ehe er es an seine Lippen ansetzte und einen Schluck nahm. Der Behälter fühlte sich kalt und glatt in seiner Hand an, das Getränk in seinem Mund war süß und kühlend. Sein Hals war nicht mehr so kratzig, kaum, dass er diesen Orangensaft in seinem Rachen hinab gelaufen war. Sein Magen empfing diese neue Erfahrung mit Neugier, beruhigte sich sogar etwas. Genau in dem Moment, als auch Jesses Magen etwas knurrte; leise und nicht so intensiv wie der von Jaden. »Na komm, trau dich... Wir wollen euch nichts tun...« Jesse nickte auf Jims Worte, griff vorsichtig nach so eiem runden und flachen Ding, legte es sich auf den Teller, ehe er ein kleines Stückchen abbiss und probierte.
Und es schmeckte.
Genüsslich lehnte er sich zurück und aß dieses flache Nahrungsmittel auf. Es war mehr als nur lecker. Was war das nur? Kaum, dass er es auf hatte, nahm er sich wieder ein neues Stück davon, denn sein Magen schien es zu akzeptieren. Insgesamt aß er drei Stücken davon, ehe er lieber das Glas leer trank und sich satt zurück lehnte. Alles nur, weil er die letzten beiden Tage nichts gegessen hatte. Lieber beobachtete Jaden, wann dieser wohl endlich satt war. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, jedoch riss ihn ein Räuspern aus seinen Gedanken. Zane hatte diesen Laut von sich gegeben und somit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. »Alexis, Hassleberry... Die beiden haben uns eine Information gegeben, die wir bisher nicht wussten.«
»Was denn, Zane?« Die blonde junge Frau musterte wohl denjenigen, der das Oberhaupt dieser Truppe meldete. Zane seufzte leise. »Die beiden sind der Ansicht, sie würden ihre Unsterblichkeit verlieren, wenn sie sich berühren... Deswegen haben sie es wohl auch nicht getan, als wir sie hier her brachten...« Stille trat ein, in der keiner etwas sagte. Diese Stille sorgte dafür, dass Jesse etwas nervös wurde. Was hatte das denn jetzt zu bedeuten? Was waren das für Informationen, die ja vorhin erwähnt wurden und mit den Information der Organisation nicht übereinstimmten? Verzweifelt sah er zu Jaden. Was hatte das zu bedeuten?

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Jaden Yuki

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:16 pm

Jaden

Als er Jesses Worte hörte, hielt er mitten in der Kaubewegung inne und sah zu seinem Partner auf. Auf den Zügen des anderen Unsterblichen lag ein Lächeln, das wohl ihm galt, aber gleichzeitig hielt er sich auch mit der Hand den Bauch und wirkte ein bisschen blass um die Nase. Offenbar war Jesse – ganz im Gegensatz zu Jaden – nicht wirklich nach Essen zumute, was den Braunhaarigen mehr als nur ein wenig beunruhigte. Er erinnerte sich immerhin nur allzu gut, dass der Andere bereits seit zwei Tagen jegliche Nahrung verweigert hatte, bevor sie befreit worden waren – und auch das war immerhin schon mindestens einen Tag her, auch wenn er vermutete, dass sie beide eher länger geschlafen hatten, sagen konnte er es nicht mit Sicherheit.
Erst als sich einer der Menschen einmischte, der sich kurz darauf als Jim vorstellte, begann er wieder zu kauen und sich wieder seinem eigenen Essen zu widmen, auch wenn er den Blick noch immer starr auf Jesse gerichtet hatte. Das Fleisch, das seinen Geschmackssinn vorher beinahe mit seiner Würze überfordert hatte, schmeckte plötzlich nur noch fahl und nicht großartig anders als die graue Pampe, die ihnen die Organisation vorgesetzt hatte. Dinge wie dieser Moment führten Jaden klar vor Augen, wie sehr ihre Gefangenschaft ihr Leben auch jetzt nach ihrem Ausbruch noch beeinflussen würde und vor allem wie unterschiedlich er und sein Partner damit umgingen, und sei es nur eine physikalische Reaktion des Körpers auf den Geruch von Essen. Mit wachsamem Blick beobachtete er Jesse dabei, wie dieser zuerst eine Art Saft von Jim zu trinken bekam und sich dann langsam an eines der runden, flachen Teiggerichte traute, die auf einem der vielen Teller zentimeterhoch gestapelt waren. Und erst, als er sich sicher war, dass Jesse mehr als nur diesen ersten Bissen aß und die Nahrung bekam, die er zur körperlichen und seelischen Genesung benötigte (denn irgendwo in den Tiefen seiner Erinnerung flüsterte eine sanfte, weibliche Stimme in seinem Ohr, dass gutes Essen jede noch so große psychische Qual vielleicht nicht heilen, aber doch irgendwie besser machen konnte), widmete er sich wieder mit Gusto seiner eigenen Mahlzeit. Plötzlich kam auch die Würze des Fleisches zurück und Jaden konnte ein leichtes Husten nicht unterdrücken, als der Geschmack den Weg seine Speiseröhre hinunterfand und seinen Rachen in Brand zu setzen schien. Da Jesse offenbar nicht dieselben Schwierigkeiten mit dem runden Teiggericht hatte, griff Jaden mit seiner Telekinese nach dem obersten der Gebäcke da er zu weit von ihm entfernt stand, um ihn mit den Händen zu erreichen. Er konnte nur hoffen, dass dieses Gericht mild genug war, um zumindest ein wenig die Würze des Fleischs auszubalancieren. Mit hastigen Fingern fing er den Teig aus der Luft und riss ein Stück davon ab, um es sich in den Mund stecken zu können. Eine leichte Süße erfüllte seinen Mund, als er vorsichtig kaute und schließlich schluckte. Zu Jadens Erleichterung verschwand das Brennen tatsächlich ein wenig, weshalb er beschloss, den Teig erst einmal auf dem Teller abzulegen und sich durch den Rest der dargebotenen Speisen zu probieren, um den mildernden Effekt notfalls ein weiteres Mal zu nutzen.
Eine Berührung an seiner Schulter schreckte ihn aus seiner Kostprobe eines weiteren Gerichts. Überrascht drehte er den Kopf ein wenig zur Seite und erblickte einen Behälter, der dem ähnelte, den Jim zuvor Jesse gereicht hatte. Anstatt des Orangensaft befand sich darin jedoch eine weiße, undurchsichtige Flüssigkeit.
»Das ist Milch, es sollte ebenfalls gegen das Brennen helfen, wenn dir etwas zu stark gewürzt ist.« Es war offenbar nicht unbemerkt geblieben, dass er ein wenig Schwierigkeiten mit ihrer Art von Essen gehabt hatte. Dankbar nickte er Alexis zu, die ihm das Gefäß gereicht hatte, und nippte vorsichtig an dem weißen, beinahe dickflüssigen Getränk. Es half tatsächlich, auch die letzten Reste der Würze herunter zu spülen. Mit einem zufriedenen Seufzen leckte er sich einmal über die Lippen, nachdem er das Gefäß wieder auf der Tischplatte abgestellt hatte und widmete sich wieder dem Essen.
Im Endeffekt wusste Jaden nicht, wie viel und wie lange er tatsächlich gegessen hatte. Fakt war nur, dass der Tisch (der anfangs praktisch unter dem Gewicht der vielen Gerichte geächzt hatte) um einiges leerer und ein bisschen wie ein Schlachtfeld aussah, als sein Magen schlussendlich zu protestieren begann. Alexis hatte ihm auch zweimal Milch nachschenken müssen, denn es blieb nicht bei der einen Wurst, die seine wiedererwachenden Geschmacksknospen überforderten. Wirklich lange konnte es aber nicht gedauert haben, denn Zane hatte gerade erst angefangen, Alexis und Hassleberry davon zu berichten, was oben vorgefallen war. Außer, er hatte damit gewartet, bis Jaden fertig war, aber das konnte er sich eigentlich nicht vorstellen – so interessant war es schließlich nicht, ihm beim Essen zuzuschauen, oder? Als er den Blick schließlich von seinem Teller hob, fand er über den Tisch hinweg die smaragdgrünen Augen seines Partners und konnte nicht anders, als ihm ein zufriedenes Lächeln zu schenken. Jesse sah auf jeden Fall auch nicht so aus, als sei er bereits allzu lange fertig, also konnte seine… nun ja, Fressorgie traf es wohl nicht ganz, wirklich nicht so lange gedauert haben, wie es ihm vorgekommen war.
Die Stille, die sich nach Zanes Worten über den Raum legte, wischte ihm das Grinsen jedoch schnell wieder aus dem Gesicht. Vorhin war ja bereits deutlich geworden, dass die Gruppe an Menschen mit dieser Information offenbar nicht gerechnet hatten und wohl von anderen Tatsachen ausgegangen waren… aber würde das allein die Anspannung erklären, die plötzlich die beiden letzten, nun auch eingeweihten Mitglieder ergriff?
»Das ist ja wohl mal das Allerletzte!« platzte es schließlich aus Hassleberry hinaus. »Ihr wollt mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass diese… diese…« er rang sichtlich nach Worten, weshalb Alexis ihm mit gefährlich glitzernden Augen und der nicht gerade netten Bezeichnung »vollidiotischen, unmenschlichen Arschgeigen und egoistischen, geldgeilen Schweinehunden« aushalf. »Genau, was Lex gesagt hat… ihr wollt mir doch nicht erzählen, dass die es ernsthaft so hingestellt haben, dass sie als die Guten dastehen? Die nur am [Wohlergehen der beiden interessiert sind und sie in Zellen gesteckt haben, um sie zu schützen?« Wütend donnerte er die zur Faust geballte rechte Hand auf die Tischplatte. »Ich hab denen ja viel zugetraut, aber das…« Hassleberry schüttelte ungläubig den Kopf und auch Alexis sah alles andere als überzeugt aus. Jaden blinzelte verwirrt und fragte sich, was er gerade nicht mitbekam.
»Es tut mir ja leid, dass sagen zu müssen, Chazz, aber ich stimme Hassleberry da vollkommen zu – deine Brüder sind ja vieles, aber sicherlich keine Gutmenschen. Jemand, der solche Fähigkeiten besitzt, wie die beiden, sind bloß eine Gefahr oder ein Mittel zum Zweck. Entweder hätten sie sie ausgenutzt, aber dann hätten wir sie ja nicht in diesen Zellen gefunden. Oder aber, wenn es tatsächlich stimmt, was die Organisation ihnen erzählt hat, dann hätten sie die beiden gezwungen, sich zu berühren, damit sie sie gänzlich aus dem Weg räumen können. Ich denke, die Infos in den Akten, die Chazz gefunden hat, geben eindeutig mehr Sinn.« Atticus legte dem aufgebrachten Mädchen, das sich offenbar in Rage geredet hatte, beruhigend eine Hand auf die Schulter.
»Der Ansicht sind wir ja auch, Sis, aber es erklärt trotzdem ihr Verhalten. Und schlussendlich ist es auch ihre Entscheidung, was sie glauben wollen – oder ob es ihnen Wert ist, auf unser Wort hin so viel zu riskieren.« Alexis schnaubte abfällig und murmelte etwas unverständliches, die Arme vor der Brust verschränkt und noch immer mit einem wütenden Funkeln in den Augen. Jaden wurde es jedoch endgültig zu bunt, da immer noch keiner sich dazu herabgelassen hatte, ihn und Jesse aufzuklären.
»Entschuldigung?« versuchte er sich deshalb mit brüchiger Stimme Gehör zu verschaffen. »W-würde uns… vielleicht auch… jemand einweihen? Ich… h-habe… das Gefühl… mir entgeht hier etwas.«

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Jesse Anderson

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:16 pm

Jesse

Als Jaden sein Mahl beendete und den Blick hob, als sich ihre Blicke trafen und der dieses Lächeln sah, welches sein Partner ihm schenkte, hatte Jesse zum ersten Mal das Gefühl, etwas wie Glück spüren zu können. Nein, nicht ganz zum erszen Mal. Das erste Mal war heute Morgen gewesen – oder welche Tageszeit auch immer – als er in diesem weichen Bett aufgewacht war. Dort hatte er sich seit langem frei und unbeschwert gefühlt, ja, eben glücklich. Und nun, wo er Jadens Lächeln sah und auch den offenen und befreiten Blick, den der Andere ihm schenkte, vergaß er sogar für einen Moment, dass sie über tausend Jahre hinweg eingesperrt waren und die Schatten ihrer Vergangenheit immer noch wie ein dunkles Tuch über ihnen hingen. Für den Bruchteil einer Sekunde war es Jesse sogar herzlich egal, dass, wenn Jaden und er sich wirklich berührt hatten, sie beide wohlmöglich irgendwann sterben würden. Für dieses Gefühl, welches ihn gerade durchströmte und welches mehr als nur eine leicht berrauschende Wirkung hatte – man beachte, dass seine Mundwinkel sich zu einem noch bereiteren Lächeln verzogen und seine Augen richtig aufleuchteten; seine Hand hatte er vom Bauch genommen und sie um das Glas gelegt, wo Jim ihm bereits vier Mal von diesem leckeren Saft doch nachgefüllt hatte, denn das war ihm dann doch besser gekommen als das Essen, auch wenn es lecker gewesen war – würde er sterben. Er würde alles aufgeben um diese Fröhlichkeit und diese Freude in Jadens Gesicht und den schokoladenbraunen Augen die er so liebte noch länger genießen zu können.
Lange allerdings hielt dieser wundervolle Moment nicht an.
Kaum hatte Zane das Wort erhoben und die übrigen Anwesenden aufgeklärt, kam es Jesse so vor, als wäre dieses Gefühl von Glück, welches Jaden und ihn wie eine intime Blase umgeben hatte – wie die Momente, wenn sie beide nur über die Lautsprecher kommuniziert hatten, während sie dem anderen unsterblichen Wesen tief in die Augen sahen – einfach zerplatzt und hätte sich in Luft aufgelöst. Dafür hing nun eine gewisse Anspannung in der Luft, die ihn nervös werden ließ und seinen Partner wohl ebenso zu beunruhigen und verwirrend schien, wie ihm selbst. Während Hassleberry, die Blonde und die anderen im Bunde sich ein kleines Wortgefecht lieferten indem sie wild durcheinander sprachen und welchem Jesse selber nur schwer folgen konnte, machte sich eine immer größer werdende Verwirrung in seinem Inneren breit. Was hatte das alles zu bedeuten? Was für Informationen waren es, die Chazz in irgendwelchen Akten – was waren Akten denn bitte eigentlich? - gefunden hatte und welche wohl angeblich das widerlegen sollten, was die Organisation ihm und Jaden all die Jahre über erzählt hatte.
Sein Partner schien es ebenso zu gehen, denn er erhob das Wort und versuchte mit brüchiger Stimme in der Sprache dieser Menschen an die Informationen zu kommen, die jeder wusste – bis auf sie beide verstand sich. Die ganze Gruppe verstummte, kaum, dass Jaden das Wort erhoben hatte. Dieser komische Braunhaarige hatte noch immer seine Hand auf die Schulter der Blonden gelegt; Chazz knirschte mit den Zähnen und Jim schob sich seinen Hut zurecht. Hassleberry neigte etwas den Kopf zur Seite und Syrus war Zane einen auffordernden Blick zu. Auch Jesses smaragdgrünen Augen ruhten auf dem Führer der Gruppe. Er ging jetzt einfach mal davon aus, dass Zane dies alles leitete, denn irgendwie hatte er ja auch eben das Wort erhoben. Ebenso wie dieses Mal, denn er kam – wenn auch wohl widerwillig, wollte er die Aufgabe abgeben? - der Bitte, oder auch Aufforderung, von Jesses Gegenstück nach. Innerlich spürte Jesse, wie er sich leicht anspannte, um sich auf das schlimmste vorzubereiten.
Doch was er dann hörte, ließ ihn einfach nur sprachlos werden.
Zane seufzte einmal leise, ehe er den Blick zwischen Jaden und ihm hin und her schweifen ließ.
»Die Dinge, die euch die Organisation erzählt hat... Wir haben Information gefunden, in Unterlagen die sie über euch angelegt haben... Informationen, die das widerlegen, was euch all die Jahre über erzählt wurde...« Jesse verkniff sich, Zane zu verbessern. Jahre klang so leicht, so wenig Zeit. Dabei waren es Jahrtausende, die sie nun schon da eingesperrt waren – also sehr, sehr, sehr viele Jahre wenn man nach Zanes Worten ging. Doch er unterbrach ihn nicht, da er endlich wissen wollte, was es für eine Information war, die sie herausgefunden hatten.
Der Braunhaarige, der Jaden aus dem Gefährt getragen hatte – wann erfuhr er, wie dieser hieß? - lächelte behutsam, aber unsicher. »Es ist eure Sache, ob ihr uns glaubt und ob ihr es riskieren wollt...« Was denn riskieren? Das Ganze hier wurde eher verwirrended, nicht unbedingt übersichtlicher. Zane erhob wieder das Wort. »Wenn das stimmt, was wir gefunden haben, dann dürft ihr euch berühren. Ihr würdet dadurch nicht sterben, sondern eher stärker werden... Euch passiert rein gar nichts schlimmes dadurch, es ist eher vom Vorteil...«
Und das war der Moment, indem Jesse einfach nur sprachlos war.
Jaden und er durften sich berühren? Es würde sie beide nicht töten, sondern sie stärken? Es würde ihnen nicht schaden, wenn sie die Hand des Anderen nehmen würden? Er könnte Jaden im Arm halten? Durch sein Haar fahren, sein Gesicht mit Küssen bedecken und seine Haut an seiner eigenen spüren, ohne ihn in Gefahr zu bringen? Jesses Herz raste, während er seinen Kopf ganz langsam in Jadens Richtung drehte und den Blick seines Partners suchte. Irgendwie war es falsch, dass diese Information die Richtige sein sollte, denn all die Jahrhunderte über wurde ihnen ja etwas ganz anderes erzählt. Und dennoch spielte er mit dem Gedanken, es testen zu wollen – es wahrhaftig spüren zu wollen. Wenn sie sich eh schon wohlmöglich berührt hatten, während sie geschlafen hatten, zusammen in diesem Bett, was könnte ihnen denn dann noch groß passieren, außer, dass sie vielleicht merkten, dass diese Menschen hier eventuell sogar die Wahrheit sagten? Trotz allem stand Jesse nicht einfach auf, denn ohne Jadens Reaktion darauf nicht gesehen zu haben, würde er ganz gewiss nichts tun. Auch wenn der Wunsch danach, den Anderen ganz nahe bei sich zu wissen, deutlich in seinen smaragdgrünen Seelenspiegel zu sehen war, blieb er sitzen, wartete ab.
Jim schnalzte leise mit der Zunge und sah die Anderen auffordernd an. »Wir sollten sie alleine lassen...«
Damit ging er langsam vor, verließ den Raum. Einer nach dem anderen folgte ihm, sodass Jaden und er am Ende ganz alleine waren. Chazz, der als Letzter den Raum verlassen hatte, hatte die Tür geschlossen. Innerlich war Jesse Jim dafür dankbar, denn im Moment wollte er wirklich mit Jaden nur alleine sein – es ging ja um ihr beider Leben. „Was meinst du? Denkst du, sie sagen die Wahrheit?“ In seiner Stimme schwang eine starke Sehnsucht mit. Oh, wie sehr er sich doch wünschte, es wäre alles so, wie Zane es gesagt hatte. Wie sehr er sich wünschte, die Worte der Organisation wären nur eine Lüge und dies hier wäre die Wahrheit.

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Jaden Yuki

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:17 pm

Jaden

Die Stimmung schlug beinahe blitzartig, jedoch kaum merkbar um, nachdem Jaden das Wort erhoben hatte. Noch immer lag eine deutlich spürbare Spannung in der Luft, doch waren die Anwesenden vorher gereizt und wütend gewesen, legte sich nun eine unangenehme Stille über sie. Keiner schien derjenige sein zu wollen, der die Worte schlussendlich auch für ihn und seinen Partner verständlich aussprach, als würde es den damit verbundenen Tatsachen eine unwiderrufliche Realität zusprechen, sie erst wirklich greifbar und wahr machen. Schlussendlich blieb es jedoch an Zane hängen, der der Aufgabe sichtlich widerwillig nachkam.
Und das, was sie beide dann zu hören bekamen, verschlug Jaden schier den Atem.
Ein lautes Rauschen erfüllte seine Ohren, kaum hatte Zane das Wort »berühren« ausgesprochen. Den Rest des Gesagten hörte er schon nicht mehr und auch sonst verpasste er wohl eine ganze Menge an Dingen, die um ihn herum vorgingen. Doch in diesem Moment, in dieser ja vielleicht sogar schicksalhafte Satz in seinen Ohren ankam, rastete etwas in seinem Kopf ein und seine gesamte Welt bestand nur noch aus seinem Partner, der auf der anderen Seite des Tisches saß. Hatte sein Blick vorher mit vorsichtiger Neugier auf Zane gelegen, war er zu Jesse geschnellt, den er mit großen Augen unverwandt ansah. Sein Herz trommelte einen unregelmäßigen Rhythmus gegen seinen Brustkorb und schien sich nicht ganz entscheiden zu können, ob es denn nun schneller schlagen oder seine Tätigkeit vollständig einstellen wollte.
Konnte das sein? Konnte das wirklich sein, was Zane da gerade gesagt hatte?
Die Möglichkeit war wie eine dunkle Vermutung am Rand seines Bewusstseins herumgeschlichen seit er vorhin aufgewacht war, mit Jesse in einem Bett und sich nicht großartig anders fühlend als zuvor, zu flüchtig und von Hoffnung getrieben, um wirklich greifbar zu sein. Was, wenn sich die Organisation geirrt hatte und sie sich doch berühren durften? Die Worte, die dem jetzigen Gespräch vorausgegangen waren und die bereits etwas in dieser Richtung hatten anklingen lassen, hatten ihn nur noch mehr verwirrt. Wahrheit und Lüge, Irrtum und vorsätzliche Falschaussage wirbelten als abstrakte Formen durch seine wirren Gedanken und halfen nicht gerade dabei, seinen aufgewühlten Emotionen Einhalt zu gebieten.
Was sollte er denn nun glauben, was konnten sie denn nun glauben?
Die Vorstellung, ganz umsonst über ein Jahrtausend in einer Zelle verbracht zu haben, eingepfercht wie Vieh, ließ sein Innerstes erfrieren und unbändige Wut in ihm hochkochen. Man konnte also nur von Glück reden, dass Jesses Worte ihn aus seiner emotionalen Abwärtsspirale.
Kurz schüttelte er den Kopf, um die Gedanken wieder ein wenig klarer zu bekommen, und sah dann erneut zu Jesse auf, der ihn über den Tisch hinweg fragend anschaute. Sein eigener Blick wirkte mittlerweile nicht mehr ganz so starr und er nahm auch seine Umgebung wieder bewusster wahr, wodurch er mitbekam, dass die Anderen wohl in den letzten Minuten den Raum verlassen hatten. Ein vages Gefühl der Dankbarkeit überkam ihm, für das was jetzt kam brauchten sie ganz gewiss kein Publikum. Sie waren schließlich lange genug ungewollt das Hauptspektakel für die Organisation gewesen, die jede Millisekunde in ihrem Leben beobachtet, katalogisiert und vor allem kontrolliert hatte.
Mit einem Ruck stand er auf, wobei der Stuhl auf dem er bis eben gesessen hatte einige Meter weit nach hinten schlidderte. Auch der Tisch, der wie eine letzte Barriere zwischen ihm und seinem Partner gewirkt hatte, krachte mit einem lauten Knall gegen die Küchenzeile. Klirrend gingen Teller und Besteck zu Boden und das restliche Essen verteilte sich über den Boden, aber nichts davon hatte Bedeutung für Jaden. Mit langsamen Schritten ging er auf Jesse zu, der noch immer auf seinem Stuhl saß, und kam nur wenige Zentimeter vor dem anderen Unsterblichen wieder zum Stehen.
„Ich weiß nicht, ob sie die Wahrheit sagen“, murmelte er, wie gefangen von den smaragdgrünen Augen seines Gegenübers, die er nun erst das zweite (oder war es das dritte?) Mal aus solcher Nähe bestaunen konnte und in denen er mit jedem vergehenden Augenblick tiefer versank. Seine eigenen Augen mussten die unbändige Sehnsucht, die er in Jesses Stimme vernommen hatte, wiederspiegeln.
„Ich weiß nicht einmal, ob ich es glauben will oder nicht. Würde es unser Leiden, unsere Gefangenschaft nicht einfach nur sinnlos machen?“ Ein leises, trockenes Lachen entwich ihm. Als ob es nicht sowieso sinnlos gewesen wäre. Am ganzen Körper zitternd ging er erneut vor seinem Partner auf die Knie, wie eine Art Wiederholung in der Nacht ihrer Befreiung. Wieder sah er den Menschen, der ihm mehr als sein eigenes Leben bedeutete, von unten her an und streckte die Arme aus. „Um ehrlich zu sein, weiß ich gerade sowieso nicht sehr viel. Nur, dass es mir mittlerweile eigentlich egal ist, wer Recht hat. Lieber sterbe ich nach einem erfüllten Leben an deiner Seite, in dem ich dich berühren darf, als dass ich mich weitere tausend Jahre von dir fernhalten muss.“
Wenige Zentimeter von Jesses Wange kam seine Hand erneut zum Halt. Diese letzte Entfernung würde sein Partner selbst überwinden müssen, schließlich war es nicht an Jaden zu entscheiden, ob der Andere das Risiko ebenfalls eingehen wollte.

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Jesse Anderson

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:18 pm

Jesse

Der Stuhl hatte noch relativ gute Karten, als Jaden mit einem Ruck aufstand und ihn somit nach hinten beförderte durch den Schwung, den er damit produzierte. Den Tisch traf es nicht ganz so gut, als auch er den Platz räumen musste und mit einem lauten Knall gegen die Anrichte stieß. Am Schlimmsten hatte es aber das Essen erwischt, welches sich ja auf den ganzen Boden verteilt hatte. Das Geschirr schien auch geplatzt zu sein, zumindest hatte Jesse eine Art Klirren wahr genommen, was darauf schließen lassen könnte. Im Grunde nahm es aber kaum wahr, denn alles, was er gerade richtig Aufmerksamkeit schenken konnte, war Jaden, der sich langsam auf ihn zubewegte und nur knapp vor ihm zu stehen kam. Die Worte des Brünetten drangen an seine Ohren, doch konnte er darauf nichts sagen. Er saß einfach nur da, sah Jaden tief in die Augen, während er gleichzeitig an den Lippen des Anderen hing. Er konnte die Sehnsucht in diesen wundervollen schokoladenbraunen Augen sehen, die auch in ihm schlummerte. Sie beide konnten diese spüren, dies stand außer Frage. Sie beide konnten es fühlen. Jesses Herz schlug schneller, während Jaden immer weiter sprach und auch einmal leicht verbittert auflachte. Für diesen kurzen Moment des Lachens blieb Jesses Herz stehen. Nicht weil es schön war, sondern weil es ihn traurig machte. Jaden sollte ja lachen, dies stand außer Frage, doch sollte es nicht so ein Lachen sein. Es sollte glücklich klingen, erfreut. Er wollte ein Leuchten in diesen Augen sehen, die er so über alles liebte.
Mit seinen eigenen Augen folgte er Jaden, der sich wie in der Nacht ihrer Befreiung vor ihn hin kniete und seine Arme ausbreitete. Und bei diesen Worten, die nun an seine Ohren drangen, konnte Jesse nicht anders, als einmal schwer zu schlucken, während sein Herz spätestens jetzt wieder den Takt des Schlagens aufnahm um Blut durch seine Venen und Adern zu pumpen, damit er am Leben bleiben konnte. Dabei war er doch im Grunde unsterblich, oder eben auch nicht mehr, wie man es nun drehen und wenden wollte. Sein Partner allerdings hatte Recht, es war relativ egal, ob diese Menschen die Wahrheit sagten oder ob die Organisation doch immer ehrlich meinte, was sie ihnen erzählt hatten. Es war lieber ein Leben nun, was sie zusammen verbringen könnten, wenn sie sich dabei berühren dürften, als noch weitere tausend Jahre ohne jeglichen Kontakt. Sie hatten schon zu lange gelebt um zu sagen zu können, dass ihr Leben dann kurz gewesen wäre. Nein, es würde Jesse nicht stören, wenn er nun altern würde, wenn er dann endlich Jaden im Arm halten könnte. Wenn er durch sein Haar fahren könnte, während seine Lippen auf den seinen lagen. Es war es wert, dies alles zu testen, wenn sie dafür endlich das wahre Glück erleben könnten.
So lehnte er sich auch gegen die Hand, die Jaden nahe an seine Wange hielt. Er hatte die Wärme spüren können, die von dem Körper des Anderen ausging. Für einen Moment hatte er wieder daran denken müssen, als Jadens Atem über seine Haut gestrichen war, als sie beide noch in der Zelle eingesperrt gewesen waren. Diese Aktion hatte ihm schon einen leichten Schauder beschert, doch als er nun wahrhaftig Jadens Hand an seiner Wange spüren konnte, einen direkten Kontakt zu der Person, die er liebte, konnte er nicht mehr seinen Körper und seine Taten kontrollieren. So schlossen sich seine Augen und ein leichtes Keuchen entwich ihm, als er leicht den Mund öffnete. Mit seinen eigenen Händen griff er nach seinem Partner, versuchte ihn aus der sitzenden Position auf seinen Schoß zu ziehen. Und erst, als er wusste, dass Jaden wirklich auf seinen Schoß saß schloss er seine Arme um ihn, hielt ihn fest. Er wollte ihm nicht weh tun, sondern ihn einfach nahe bei sich wissen. Sein Gesicht versteckte er an der Halsbeuge des Jüngeren, atmete dessen Duft ein. Die Nähe, die sie beide nun zueinander hatten, berauschten den Türkishaarigen ungemein.
Und ließen seine Gefühle aufwirbeln.
Hatte Jaden die Möbel nur zur Seite geschubst, war Jesse nun dabei, die Luft im Raum zu einem kleinen Orkan werden zu lassen, der um sie herum wütete, aber sie beide nicht erreichte. Die Nahrung, die eben noch auf dem Boden gelegen hatte, wirbelte nun um sie herum, aber sie beide blieben davon vollkommen verschont. Der Wasserhahn bebte leicht, ehe ein paar Nägel raus platzen und Wasser durch die Gegend spritzte. Doch Jesse interessierte das alles gar nicht, denn für ihn war nur der junge Mann wichtig, den er nach all den Jahren in der Gefangenschaft endlich in seinen Armen halten konnte. Mit einer Hand strich er behutsam über Jadens Rücken, dann über seinen Nacken, ehe er seine Finger durch dessen braune Haare fahren ließ. Sie waren so weich, so verführend weich. Alles an dem Anderen wirkten nun erst recht verführend und betörend, sodass Jesse ihn gewiss nicht allzu schnell würde hergeben können. Wie hatte er nur eher all die Zeit so gut widerstehen können? Gewiss nur wegen dem Abstand, den sie hatten, oder nicht? „Jaden...“, murmelte er leise, nahe an Jadens Ohr, da er etwas den Kopf zwar gehoben hatte, aber sich ansonsten kein Stück gelöst hatte.

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Jaden Yuki

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:19 pm

Jaden

Als Jesse die letzten Zentimeter zwischen ihnen überwand und seine Wange an Jadens Hand schmiegte, war es für einen Moment so, als würde die Zeit still stehen – und mit ihr Jadens Herz. Allein diese winzige, unschuldige Berührung reichte aus, um Jadens ganzes bisheriges Weltbild wie ein zerbrechliches Glaskonstrukt in sich zusammenfallen zu lassen und er wusste, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte – die einzige, die er hatte treffen können. Allein diese winzige, unschuldige Berührung reichte aus, um sein Innerstes erneut in ein Chaos durcheinander wirbelnder Emotionen zu verwandeln, die jegliche Unsicherheit wegschwemmte.
Sein Atem - der ebenso wie sein Herzschlag für einen Moment ausgesetzt hatte - entwich ihm in einem zittrigen Seufzen, dem Gegenstück zu Jesses leichtem Keuchen. Wie eine Pflanze, die sich der Sonne zuneigt, strebte er seinem Partner entgegen und ließ sich ohne Gegenwehr auf den Schoß des Anderen ziehen, half ihm sogar dabei, indem er sich leicht aus der Hocke aufrichtete und seine Knie zu beiden Seiten von Jesses Oberschenkel auf der Sitzfläche des Stuhls abstützte. Als Jesse seine Arme um ihn schloss, sackte er beinahe kraftlos in der Umarmung zusammen, lehnte sich haltlos zitternd gegen den Anderen und versteckte sein Gesicht ebenfalls in der Halsbeuge seines Gegenübers. Nur langsam hoben sich seine Arme von seinen Seiten und schlangen sich erst lose, dann immer verzweifelter und fester um Jesses Nacken, als sei er das Einzige, was Jaden noch in dieser Welt hielt.
Und ein bisschen fühlte es sich auch so an.
Jaden hatte das Gefühl, als wolle etwas in seinem Inneren aus seiner Haut heraus vibrieren. Als sei er alleine durch diese sanften Berührungen plötzlich mehr, als er alleine jemals sein könnte. Als habe er sich in diesem winzigen Bruchteil einer Sekunde, in der ihre Haut das erste Mal in Kontakt gekommen war, in etwas völlig Neues verwandelt und die Welt um sie herum gleich mit. Etwas tief in ihm drin - der Ort aus dem er immer seine Kraft geschöpft hatte um einen weiteren Tag in diesem Höllenloch zu überstehen, der Ort aus dem sich seine telekinetischen Kräfte speisten – schien sich plötzlich ins Bodenlose zu öffnen und sich gleichzeitig immer schneller zu füllen, sodass die Energie in ihm überlief und sich über seinen telekinetischen Sinn in ihrer Umwelt verteilte. Hatte der Abend seiner Flucht eine Reizüberflutung ausgelöst, die dem Verlassen eines vollkommen abgedunkelten Raumes gleichkam, so war Jaden nun wie ein Blinder, der das erste Mal die Augen öffnete und die Sonne sehen konnte. Und die Sonne in diesem Vergleich war eindeutig Jesse.
Mit einem hohen Wimmern drückte er sich der Hand entgegen, die von seinem Rücken über seinen Nacken in seine Haare hinauf wanderten und ein wenig fahrig durch die braunen Strähnen strichen. Seine Finger krallten sich in den Stoff von Jesses Oberteil als er gleichzeitig versuchte, der Hand in seinen Haaren näher zu kommen und seine Stirn tiefer in Jesses Schulter zu vergraben – ein Vorhaben, das nicht wirklich von Erfolg gekrönt war und Jaden einen frustrierten Laut entlockte. Er wollte sich in der Anwesenheit, in der Nähe, in der Berührung, im Duft, in seinem Partner ertränken, in ihn eintauchen und nie wieder hervorkommen.
Das leise Murmeln seines Namens jagte ihm einen Schauer über den Rücken und er beantwortete es nur zu gerne mit einem kaum hörbaren Seufzen und dem Wispern des Namens seines Partners gegen dessen erhitzte Haut, immer und immer wieder.
„Jesse… Jesse… Jesse…“
In einer beinahe verzweifelt wirkenden Geste löste Jaden seine Finger aus ihrem Klammergriff in Jesses Oberteil und vergrub sie stattdessen in türkisfarbenem Haar, um Jesses Kopf näher zu sich heranzuziehen. Seine Lippen wanderten über den Hals seines Partners hinab zu dessen Kehlkopf, wo er für einen Moment inne hielt. Seine vornübergebeugte Haltung, zusammengekauert auf Jesses Schoß und den Nacken beinahe unterwürfig freigelegt, erinnerte ein wenig an die Haltung eines Gläubigen, der sich seinem Gott im Gebet hingibt, in Geist, Körper und Seele. Mit einem leisen Seufzen duckte er seinen Kopf, sodass Jesses Kinn sich auf seinen Hinterkopf stützte und schmiegte sich so eng es ging an seinen Körper, das Ohr dicht an seine Brust gepresst. Jesses Herzschlag pulsierte dank seiner geschärften Kräfte bereits wie ein helles Licht in seinem telekinetischen Sinn, aber Jaden wollte ihn hören. Brauchte einen untrüglichen Beweis, dass das hier tatsächlich passierte, dass sie sich wirklich berührten – und nichts war dafür passender, nichts schien ihm angebrachter oder könnte intimer sein, als dieses lebenswichtige Organ in der Brust seines Partners mit seinen menschlichen Sinnen schlagen zu hören, das symbolisch einen noch viel wichtigeren Stellenwert besaß.

Badum… badum… badum…

Jadens eigener Herzschlag brauchte nicht lange, um sich Jesses anzugleichen und gemeinsam ergaben sie eine Melodie, die Jaden bis in sein tiefstes Inneres traf – eine Melodie, die sich ihm in die Erinnerung brannte und die er nie wieder vergessen würde. Es war der Klang des Lebens, ihres Lebens, eines unmöglich geglaubten, erfüllten Wunsches nach Nähe, nach Beisammensein. Jaden seufzte erneut und ließ seine Hände aus Jesses Haaren gleiten, um seine Arme in einer festen Umarmung um die schmale Taille des Anderen zu schließen, die Finger leicht unter den Saum seines Oberteils geschoben um nackte Haut berühren zu können. Seine Nase vergrub sich in den Falten des Shirts und mit einigen tiefen Atemzügen nahm er auch diesen Teil seines Partners in sich auf – seinen einzigartigen, unglaublich betörenden Duft.
Es war beinahe so, als wolle er seinen Partner mit allen ihm zur Verfügung stehenden Sinnen aufnehmen, ihn in sich hinein brennen, sodass er seine Spur niemals mehr verlieren konnte und ihn immer und überall finden würde.

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Jesse Anderson

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:19 pm

Jesse

Sie hatten beide die richtige Entscheidung getroffen, dies stand außer Frage. Die Art, wie Jaden ihm entgegen gekommen war und nun, mehr oder minder auf seinem Schoß kniete, hatte jegliche Zweifel, wie vielleicht bis dahin noch geherrscht hatten, mit sofortiger Wirkung annulliert. Sofort hatte es nur den Braunhaarigen für den Türkishaarigen gegeben und nichts hatte sich in den tausend Jahren so richtig angefühlt, wie das, was sie nun taten. Jaden hier einfach nur in seinem Arm zu halten, während dieser irgendwie zu versuchen schien, sich gegen die Hand zu drücken, mit der Jesse ihm durch die Haare fuhr aber gleichzeitig ihm anders nahe zu sein, schien gar nicht falsch sein zu können, wie er es auch drehte und wendete. Er wollte auch gar nicht mehr daran glauben, dass dies falsch sein könnte, denn alle seine inneren Signale gaben ein deutliches Zeichen, dass dies mehr als nur nötig gewesen war. Instinkte, von denen er geglaubt hatte, sie wären nur eine doch relativ starke Sehnsucht, machten sich jetzt bemerkbar. Auch wenn Jesse so gerade nur Jaden wahrnahm, sich vollkommen auf ihn fixierte, war seine ganze Welterscheinung umfassender und umfangreicher, als noch ein paar Augenblicke zuvor. Ihm war klar, dass sie all die Jahre über belogen worden waren und die Sehnsucht, das Verlangen seinem Partner nahe zu sein, nicht wie der verbotene Biss in den Apfel sein konnte. Sie gehörten zusammen, vervollständigten sich. Sie waren das passende Gegenstück zu dem jeweils anderen, konnten gar nicht ohne den anderen existieren. Wie hatten sie es überhaupt all die Jahre vorher nur schaffen können? Dies war Jesse mehr als nur ein Rätsel, denn erst jetzt merkte er, wie die Lebensenergie durch seine Adern pulsierte und ihm das Gefühl gab, wirklich zu leben – richtig zu leben! Nicht dieses vorgegeben Leben, welches sie eher hatten über sich ergehen lassen als wirklich das alles als einen Teil von sich selber zu betrachten. Nun aber, nach guten tausend Jahren, konnte er spüren, wie eine nicht stoppen wollende Energiewelle ihn überflutete und alles negative, was sie bisher erlebt hatten und was in den ganzen Jahren versucht hatte seinen Geist zu vergiften, einfach fortspülte. Jaden war an seiner Seite, dies allein zählte – alles andere war nicht mehr wichtig.
Denn was brauchte er schon, außer seinen Partner?
Eben – nichts!
Über den frustrierten Laut, den Jaden von sich gab, konnte Jesse nur schmunzeln, während er versuchte, seinem Geliebten entgegen zu kommen, indem er ihn noch etwas näher zu sich zog und ihn so streichelte, dass Jaden sich nicht groß zu verbiegen brauchte. Es war aber nicht nur eine Hilfe für Jaden, denn er selber wollte den Anderen auch ganz nahe bei sich spüren. Nie wieder wollte er ihn los lassen, auch wenn er wusste, dass nie wieder nun kein guter Ausdruck war. Da sie beide aber nicht unbedingt viel Nahrung und auch Flüssigkeit brauchten – zudem hatten sie sich ja erst vor einer kleinen Weile gestärkt – könnten sie ruhig die nächsten Tage so nahe beieinander bleiben. Obwohl das Bett schon bequemer wäre und sie so sich wirklich besser darauf konzentrieren konnten, einfach dem anderen nahe zu sein. Jedoch war das Bett so weit weg. Und um daran zu kommen, müssten sie aufstehen, was bedeuten würde, dass er Jaden würde von sich schieben müssen. Denn auch wenn er ihn tragen würde, wäre ein Teil dieser Nähe, die sie jetzt teilten, fort. Nun war es Jesse, der bei diesem Gedanken einen enttäuschten Laut von sich gab. Allerdings verstummte er sofort, als er Jadens Worte vernahm; seine Stimme, die immer und immer wieder seinen eigenen Namen aussprach. Es war wie eine Melodie, nur für ihn alleine geschrieben, nur für ihn bestimmt und auch nur perfekt, wenn Jaden sie anstimmte – immerhin war es Jadens Melodie.
Der warme Atem seines Partners konnte er auf seiner Haut spüren und genau an dieser Stelle hatte Jesse das Gefühl, nie wieder das Gefühl los zu werden, dass Jaden ihm da näher gekommen war. Es brannte leicht angenehm, auch wenn es doch noch intensiver war, wo sie direkt Haut an Haut aneinander trafen. Doch Jesse wollte mehr, mehr als nur den Kontakt Haut an Haut. Auch wenn sie beide nichts mehr tragen würden, wäre es ihm noch zu wenig. Ihre Seelen sollten aneinander reiben, miteinander verschmelzen, sodass keiner mehr würde sagen können, wer der Eine und wer der Andere war, denn es würde nur noch sie beide geben als eine einzige Person. Ihre beiden Herzen schlugen schon im selben Takt. Jesse konnte nicht mehr sagen, wessen Herzschlag er da gerade hörte – Jadens oder seinen eigenen. Im Grunde war es auch egal, denn dies bewies doch nur, wie sehr sie schon einander nahe waren.
Auch wenn es ihm, wie gesagt, noch nicht reichte.
Ein Schauer erfasste ihn, als er Lippen spürte, die seinen Hals hinab wanderten, und ein leichtes Wimmern nach mehr kam über Jesses eigenen Lippen, ehe er es verhindern konnte. Jadens Hände, hatten sie sich vorher noch in sein Oberteil gekrallt, waren danach in sein Haar gewandert, doch nun konnte er sie direkt auf seiner Haut spüren, wo sie weitere kleine Brände hinterließen. Und auch er selber hatte seine Hände kurz darauf unter die Kleidung seines Partners wandern lassen, nur um noch mehr in dem Gefühl zu versinken, ihm endlich ganz nahe zu sein. Sein Kopf lag für einen Moment auf dem des Braunhaarigen, als dieser sich so nahe an ihn schmiegte, ehe er nun mit seinen Lippen auf Wanderschaft ging. Denn auch er wollte Jaden mit all seinen Sinnen in sich aufnehmen. Unbewusst hatte er den unverkennbaren Duft schon in sich aufgenommen, doch hätte er Jaden auch schon vorher immer und überall erkennen und finden können. Nun aber, würde er dies alles nie wieder los werden – wollte er ja im Grunde auch nicht. Seine Lippen wanderten über Jadens Wange, zu seinem Ohr, über seinen Hals und zu seiner Halsbeuge, ehe er dann wieder zurück wanderte, nur um einen Kuss auf die braunen Haare seines Geliebten zu hauchen. Dabei kam ihm immer und immer wieder, sehnsuchtsvoll klingend, der Name seines Partners über seine Lippen.

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Jaden Yuki

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BeitragThema: Re: Neues Leben, neues Glück   Di Okt 11, 2016 11:23 pm

Jaden

Der frustrierte Laut, der ihm dank des Dilemmas, sich nicht gleichzeitig in Jesses Berührung und seine Halsbeuge schmiegen zu können, eher unbewusst über die Lippen gekommen war, zeigte offenbar Wirkung. Jaden musste seinen Partner nicht einmal ansehen, um dessen amüsiertes Schmunzeln zu sehen, aber Jaden war es gleich – Jesse zog ihn noch ein weiteres Stückchen näher, verdrängte somit eines der letzten Quäntchen Luft zwischen ihnen und sorgte dafür, dass die Grenze zwischen ihren Körpern immer mehr verschwamm. Der feste Griff seiner Hand in seinem Rücken brannte sich in Jadens Nerven und ihm war, als müsse die Berührung einen physischen Abdruck auf seiner Haut zurücklassen, etwas wie eine Brandmarkierung als eine Manifestation der Veränderungen, die diese unschuldige Geste des Näherziehens in seinem Inneren auslöste.
Jaden hatte über ein Jahrtausend mit dem unumstößlichen Wissen gelebt, dass er Jesse niemals würde berühren können. Ganz am Anfang ihrer Gefangenschaft, als er sich der kommenden Qualen noch nicht bewusst gewesen war und er noch ganz naiv geglaubt hatte, dass es nichts Schlimmeres als den Tod gab, da war er dankbar für die Barriere zwischen ihnen gewesen. Denn ab dem Moment, in dem er das erste Mal einen Blick auf den Anderen geworfen hatte, hatte er seine Anziehungskraft gespürt und gewusst, dass er seinem Partner hilflos erlegen war. Sein ganzes restliches Leben war ihm wie ein hoffnungsloser Kampf gegen diese Anziehungskraft vorgekommen, den er eines Tages unweigerlich verlieren würde, womit er entweder sich oder Jesse mit einem schleichenden Tod bestrafen würde. Dadurch, dass sie einander sowieso nicht näher kommen konnten, war es ihm erlaubt, schwach zu sein und diesen Kampf nicht führen zu müssen. Erst mit der Zeit hatte er gelernt, dass diese Schwäche einen zu hohen, beinahe unbezahlbaren Preis hatte.
Nun endlich die Freiheit zu besitzen, der Anziehungskraft nicht nur nachzugeben, sondern auch zu wissen, dass es keine Schwäche war, löste ein Gefühl in Jaden aus, das er nicht beschreiben konnte und dessen Namen er nicht kannte. Es war ein wenig wie Euphorie und Erleichterung und gleichzeitig doch so viel mehr und Jaden gab sich der Emotion mit allem was er war hin, ließ sich vollkommen in die momentane Situation fallen und vergaß, dass es noch eine Welt außer ihm und seinem Partner, seinem Jesse gab. Seinen Jesse, den er nun endlich, endlich berühren konnte.
Als nun Jesse seinerseits einen enttäuschten Laut von sich gab, bewegte Jaden seinen Kopf ein wenig zurück, um den anderen anschauen zu können ohne sich von ihm lösen zu müssen. Ein weiteres Mal erlag er innerhalb von Augenblicken den funkelnden Smaragden, die so voller Emotionen leuchteten, dass es ihm nicht möglich war, eine einzige daraus abzulesen und so den Grund für die Enttäuschung seines Partners auch nur zu erraten. Denn Jesse sollte nicht enttäuscht sein – Jaden wollte nie wieder, dass es ihm an etwas mangelte und würde alles Erdenkliche und auch Unmögliche tun, um den Türkishaarigen glücklich zu machen. Seine Augen nahmen ihn jedoch zu sehr gefangen und so vergaß er zu fragen, was los war, und lehnte sich stattdessen, einem inneren Impuls folgend, erneut näher an ihn. Als nur noch wenige Millimeter sie voneinander trennten, entwich ihm ein beinahe lautloses Seufzen und seine Augenlider flatterten einen Moment, bevor sie sich langsam vollends schlossen und seine Lippen leicht gegen die seines Partners presste. Noch immer entglitt ihm Jesses Name wie ein Mantra, immer und immer wieder, nur dass er die Worte nun in den Mund des anderen hineinsprach. Als er einige Sekunden später wieder von ihm abließ, ging sein Atem schwerer und er fühlte sich, als habe er etwas verloren, obwohl er Jesse noch immer so nahe wie zuvor war und auch seine Lippen schnell wieder einen Platz in seiner Halsbeuge fanden, die er sie fahrig hinab wandern ließ.
Das Gefühl von nackter Haut unter seinen Fingerspitzen zog wie ein Strom heißer Lava seine Handgelenke und Arme hinauf und schien von dort direkt zu seinem Herzen zu fließen, von wo sich das Gefühl in seinem ganzen Körper verteilte. Auch Jesse schien nun an Mut zu gewinnen, was seine Berührungen anging, und ließ seine Hände unter sein Shirt wandern, was Jaden einen kehligen Laut entlockte. Instinktiv presste er sich näher an Jesse, war dabei jedoch wohl etwas zu ruckartig, da die plötzliche Verlagerung des Gewichts den Stuhl, auf dem sie beide saßen, gefährlich wackeln ließ. Um sie am Umfallen zu hindern, ließ Jaden seine Beine aus ihrer knienden Position hinab zu Boden sinken und saß so praktisch auf Jesses Schoß, anstatt dass er wie zuvor über ihm kniete. Wenn es ihm nicht die etwas prekäre Lage ihrer momentanen Position vor Augen geführt hätte, hätte er sich sicher nicht beschwert – es brachte sie einander noch näher – aber so, wie die Dinge gerade standen, musste etwas geschehen.
„Wir sollten wirklich nach oben gehen“, wisperte er Jesse ins Ohr und konnte ein genießendes Schnurren nicht unterdrücken, als sein Partner mit den Lippen von seiner Wange, über sein Ohr zu seinem Hals und wieder zurück wanderte. Ein leises Keuchen entwich ihm und er legte den Kopf zur Seite, um ihm mehr Platz zu gewähren, bevor er mit einem sanften Lächeln den Kopf senkte, als Jesse ihm den Schopf küsste.

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